Hallo Herr Özer,
eine wirklich tolle Geschichte, die ich mit Begeisterung gelesen habe. Ich denke das man da eine Menge Durchhaltevermögen und Willen aufbringen muss um jederzeit „am Ball“ zu bleiben. Die Aussage „von nichts kommt nichts“ finde ich sehr zutreffend. Irgendwann wird man sicher dafür belohnt! Ich denke es ist auch richtig, dass die Daimler AG ein sehr vielfältiges Angebot hat sich weiter zu entwickeln und seinen Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, persönliche Kompetenzen stets auszubauen. Vor allem intern hat man sehr gute Möglichkeiten voran zu kommen und sich zu entwickeln (ich habe keine persönliche Erfahrung damit,das ist nur etwas was ich ständig von Kollegen höre). Herr Özer, ich möchte Ihnen nicht „direkt“ widersprechen, denn Ihr Werdegang ist ein Beweis dafür das es klappen kann,wenn man an sich glaubt. Ich möchte aber Ihren Beitrag um einen Denkanstoss erweitern und zeigen das es auch anders laufen kann. Hierzu nehm ich meinen eigenen Werdegang. Mein Name ist Hakan Simsek, ich bin mittlerweile 27 Jahre alt und bin genau den anderen Weg gegangen. Den Weg von dem jeder sagen würde das man es nicht besser hätte machen können. Grundschule-Realschule-BK1-BK2-Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing-Kommunikation. Während dieser Zeit habe ich leider kein Haus bauen können, aber auch ich habe meine Frau geheiratet und Fußball gespielt. Die Phasen während des Studiums habe ich mit diversen Jobs gefüllt, vor allem in der Automobilbranche. Darüber hinaus war ich aktiv in Studenteninitiativen involviert und war Jugendtrainer einer Fußball-Mannschaft in der nur Migranten spielten (wobei es mir mehr um den gesellschaftlichen Beitrag ging). Während meiner Theoriephase habe ich Praktikas für namhafte Unternehmen absolviert. Na,klingt doch fleißig oder nicht? Wie dem auch sei, seit letzten Sommer habe ich mein Diplom in der Hand (bzw. im Schrank), das ich nebenbei bemerkt „gut“ bestanden habe. Seither ist genau ein Jahr vergangen. Ich zähl mal auf was ich während dessen gemacht habe. Beworben,beworben, Umzugsjobs,beworben,für ein Logistikunternehmen ausgeliefert,beworben,Reinigungsjobs gemacht,beworben. Richtig katastrophal war es aber nicht, ich wurde auch zu Gesprächen eingeladen. Hier ein Auszug. Ich bewerbe mich bei einer stuttgarter Agentur und werde zum Gespräch eingeladen. Dieses führe ich mit den beiden Geschäftsführern. Es läuft sehr gut,ich bin feuer und flamme,erzähle von mir,von dem was ich gemacht habe und das ich motiviert bin und mich weiter entwickeln möchte. Dann,so ca. eine Stunde später, kommt die Frage nach der Gehaltsvorstellung. Nach meiner Antwort wollte der nette Herr noch anmerken das jeder Mitarbeiter zuvor ein mit 350€ vergütetes Praktikum absolvieren müsse. Das sei die Regel. Nun,lange Rede kurzer Sinn,verarschen lass ich mich nicht! Ich spring mal vor in den April 2012,da habe ich mich bei einer stuttgarter Leiharbeitsfirma beworben (ich denke das lag an der Verzweiflung). Schnell wurde ich zum Gespräch bei der Mercedes Benz Niederlassung Stuttgart eingeladen (ist eine relativ kleine Abteilung im Service-Bereich). Mein jetziger Vorgesetzter hat mich dann auch gleich eingestellt und ich war einfach nur gottfroh das ich endlich wieder einen geregelten Ablauf hatte und mich wieder beweisen konnte. Heute,ein paar Monate später,hat man mir bereits in Aussicht gestellt „Teamleiter“ zu werden (jedoch über die Leiharbeitsfirma). Ich möchte jedoch unbedingt direkt für die Daimler AG arbeiten, vor allem, ich will eine richtige Herausforderung. So und jetzt wird’s interessant. Es gab Stellen auf die ich mich bewerben wollte aber dann wurde mir gesagt das diese nur intern ausgeschrieben sind und ich mich über das Online-Portal bewerben müsse. Das ist einfach so, da kann man nichts machen. Ich persönlich finde das einfach nur traurig, da arbeitet man 40-Stunden die Woche für 850€ Netto und darf sich nicht einmal auf die internen Stellen des Unternehmens bewerben für das man arbeitet. Über das Portal habe ich mich auf einige Stellen beworben und warte jetzt einfach mal ab.
Es tut mir leid das mein Text so lang geraten ist,aber ich wollte einfach auch zeigen das es anders laufen kann, obwohl man Tag und Nacht schuftet und alles gibt (da bin ich aufrichtig zu mir selbst). Ich denke es spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle. Es gibt viele (Kollegen) denen es ähnlich geht. Jetzt herzukommen (und das beziehe ich nicht auf Sie Herr Özer) und zu sagen das man alles erreichen kann mit Fleiß, halte ich nicht zu 100% richtig. Da habe ich selbst und auch Freunde von mir andere Erfahrungen gemacht (auch bei der Daimler AG). Ich persönlich bin mir sicher und weiss das ich es irgendwann in den Konzern schaffe und dort auch weit bringen kann,allein weil ich der Meinung bin das sich Qualität früher oder später durchsetzt. Ich vertrete aber auch klar den Standpunkt das nicht alles Gold ist was glänzt!
An dieser Stelle möchte ich auch ganz ganz liebe Grüße an die Betreiber dieses Blogs senden. Es ist schön das Sie eine Plattform haben,auf der Sie den Menschen die Chance geben zu kommunizieren und von Ihren Erlebnissen zu erzählen. Ich persönlich, und da spreche ich aus Erfahrung denn ich habe einen Ausbildungsschwerpunkt in Social Media, halte nichts von einseitigen Darstellungen. Aus diesem Grund wollte ich auch, begeistert von Herr Özer, ein wenig widersprechen und Ihnen klar sagen das Sie zwar immer „Diversity“ sprechen, es aber nicht zu 100% leben. Von einem Unternehmen, für das mein Opa und auch mein Vater mehr als 30 Jahre am Band gearbeitet haben erwarte ich einfach mehr! Es kann nicht sein das Mitarbeiter die auf E2 bzw. E3 eingestuft sind nur einmal in die Finger schnipsen und plötzlich alles möglich wird und jemandem dessen Eltern/Großeltern sich hier abgearbeitet haben,keinerlei Beachtung geschenkt wird. Diese Menschen haben mindestens genauso viel für diesen Konzern geleistet. Das sind die eigentlich interessanten Themen die in diesen Blog gehören! Meine Geschichte gehört hier rein! Haben Sie den Mut dazu? Die passende Überschrift habe ich bereits „Mein persönliches Trauma bei Daimler“.
Eines zum Schluss, ich bin dennoch glücklich über meine Situation. Ich bin mit der tollsten Frau überhaupt verheiratet, werde bald papa, wir haben genug zu Essen, sind gesund und leben einfach gut in Deutschland. Das macht mich glücklich. Dieses Glück wünsch ich auch all denen die das hier lesen. Ich hoffe das es vielen Menschen so ergeht wie Herr Özer, er ist ein Paradebeispiel dafür wie es laufen „kann“ und ich möchte mich bewusst der These anschliessen das man einfach immer an sich glauben soll. Das Leben steckt voller Überraschungen. In diesem Sinne, schöne Woche euch allen! Hakan